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Teams und Diskriminierung: Psychologische Funktion von Vorurteilen

Joachim Hasebrook, Sibyll Rodde & Benedikt Hackl

Vorurteile sind meist kein Ausdruck von Bösartigkeit, sondern eine Entscheidungshilfe dafür, wer gefährlich werden könnte und wer nicht. Neuropsychologische Untersuchungen haben gezeigt, dass Informationen über Gruppen, denen man sich zugehörig fühlt, anders verarbeitet werden als Informationen über Fremdgruppen. Das geht so weit, dass der Anblick von Fremdgruppen körperlich Ekel und Abscheu hervorrufen kann, wenn sie als stereotypisch feindlich und inkompetent gesehen werden. Das Gegenteil gilt für die eigene Gruppe: Das Belohnungssystem im Gehirn verarbeitet Erfolge der eigenen Gruppe als persönliches Glücksgefühl.

Stereotypen erfüllen also eine wichtige Funktion zur Vereinfachung und Orientierung im sozialen Umfeld und sind in den Hirnfunktionen verankert. Appelle an die Vernunft und Hoffen, dass sich alle an soziale Regeln halten, hilft nicht weiter. Wichtig ist vor allem eines: Die Verantwortlichen für unsoziales und aggressives Verhalten müssen raus aus der Anonymität der Gruppe.

Gruppenmitglieder passen sich stärker an die Gruppenmeinung an und tragen weniger zur Teamarbeit bei, wenn sie sich anonym fühlen – wie z. B. in anonymen Chatgruppen. Werden Teams derselben Nationalität aus anonymen Mitglieder gebildet, werden Aussagen der eigenen Gruppe besonders stark unterstützt und andere nationale Gruppen besonders deutlich abgewertet.

Auch eine große räumliche oder soziale Trennung trägt zu einer „Dehumanisierung“ bei: Teammitglieder werden nur in Bezug auf ihr direkt beobachtbares Verhalten gesehen und nicht als Menschen mit eigener Persönlichkeit. Genau das geschieht auch, wenn wir Menschen nur nach ihrer vermeintlichen Leistungsfähigkeit beurteilen und damit z. B. sozial Schwache und Behinderte abwerten oder ausgrenzen.

Ob bei rassistischen Ausschreitungen oder bei Hassreden im Internet: Persönliche Anonymität löst soziale Hemmungen und bewirkt, dass andere Gruppen und deren Mitglieder nicht mehr als Menschen gesehen werden. „Feinde“ zu haben, stiftet Identität in der eigenen Gruppe und schafft in der Auseinandersetzung, auch durch Gewalt, Erlebnisse, die der Alltag nicht bietet. Ausgrenzung und Gewalt sind nur dann keine „Tankstelle für Selbstbewusstsein“ mehr, wenn Verantwortliche aus der Anonymität geholt werden und regelmäßige Kontrollen dafür sorgen, dass man sich nicht „in der Gruppe verstecken“ kann.
In einem Interview erklärt Jürgen Bergmann, Fanbeauftragter des 1. FC Nürnberg, wie er mit gewaltbereiten Fangruppierungen umgeht. Das Interview und weitere Erläuterungen, wie gewaltbereite Gruppen entstehen, findet sich in unserem Buch „Team-Mind“: link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-662-60627-8_10.


(Bildquelle: Shutterstock)

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