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Welche Persönlichkeit haben Teamplayer? Oder: Die Wahrheit gibt es nur im Team

Joachim Hasebrook, Benedikt Hackl und Sibyll Rodde

Tests für Teamplayer
Welche Persönlichkeit hat eigentlich der ideale „Teamplayer“? Eine verführerische Frage, auf die es offenbar sogar fundierte Antworten gibt, wenn man sich Teamtests wie z. B. den „Wingfinder“ für Red Bull anschaut: https://www.wingfinder.com/de-DE. Nur: Sind Fähigkeiten, Erfahrungen und Kompetenzen wie z. B. „Kreativität“ oder „Netzwerken“, die in solchen Tests vorkommen, wirklich Persönlichkeitseigenschaften? Tatsächlich sind es Eigenschaften einer Person in bestimmten Situationen zu bestimmten Zeiten. Manchmal helfen sie, manchmal sind sie sogar hinderlich, wenn man z. B. in die „Erfahrungsfalle“ tappt (vgl. unseren Blog-Eintrag dazu: http://management-analytics.de/blog/mehr-erfahrung-weniger-innovation).

Wie wichtig Persönlichkeit für die Teamfähigkeit ist, zeigt sich vor allem dann, wenn Menschen sich im Team nicht mehr eigenständige Personen sondern nur noch als Lieferanten von Arbeitsergebnissen begegnen. Besonders leicht passiert dies in virtuellen, räumlich verteilten Teams, die nicht sozial aneinander gebunden sind, sondern sich allein durch die Zugehörigkeit zu einer Arbeitsgruppe definieren. Solche psycho-logisch als „minimale Gruppen“ bezeichneten Teams, sehen Teammitglieder dann nur in Bezug auf ihre Arbeitsergebnisse und nicht als Menschen mit eigener Persönlichkeit. Wenn Menschen nicht mehr als Menschen wahrgenommen werden, steigt die Neigung zu gegenseitigen Beschuldigungen, und Produktivität sowie Zufriedenheit sinken.

Persönlichkeit und Teamfähigkeit
Hier gibt es einen Zusammenhang von Persönlichkeitseigenschaften und Teamfähigkeit: Zentrale Teameigenschaften wie Anpassungsfähigkeit, gemeinsame Situationswahrnehmung und gegenseitige Rückmeldung hängen eng zusammen mit Persönlichkeitseigenschaften der Teammitglieder, insbesondere emotionale Stabilität, Offenheit und Neigung zu Vertrauen und Kooperation. Auch hier gilt: Nichts ist so einfach wie es scheint. In Meta-Analysen zeigt sich, dass z. B. Extraversion z. B. oft mit Dominanz einhergeht (hilft in der Teamarbeit meist nicht), schnelles Zugegen auf Menschen (hilft beim Netzwerken aber nicht beim Teammanagement). Für erfolgreiches Teammanagement sind eher Offenheit, die mit hoher Flexibilität einhergeht, und Gewissenhaftigkeit hilfreich. Kurz: Persönlichkeitseigenschaften helfen nur, wenn sie zu Teamrolle und Situation passen.

Die Wahrheit liegt im Team
Sollte man dann nicht einfach erforderliche Teamrollen mit den passenden Persönlichkeiten besetzen? Wenn es denn so einfach wäre: In der Praxis ist es ja kaum möglich Persönlichkeitsprofile aller Mitarbeitenden zu kennen und diese dann passend zu Teams zusammenzustellen. Das wäre auch gar nicht wünschenswert, denn Teamrollen und -zusammensetzungen ändern sich mit der Zeit, den Aufgaben und den handelnden Personen. Wichtig ist, dass wissens-, handlungs- und kommunikationsorientierte Teamrollen flexibel besetzt werden, Teammitglieder um Rollen und Aufgaben wissen, sich daran halten – und flexibel Rollen und Aufgaben tauschen und anpassen können.

Letztlich gilt, dass nicht die Qualität der Einzelnen den Erfolg ausmacht, sondern die Fähigkeit des Teams aus Einzelperspektiven eine gemeinsame Sicht zu entwickeln. „Die Wahrheit gibt es nur zu zweiten, schreibt die politische Philosophin Hannah Arendt in einem ihrer Briefe, und: „Eine gemeinsame Welt … existiert überhaupt nur in der Vielfalt ihrer Perspektiven".

Wie die „Erfahrungsfalle“ funktioniert erklären wir in unserem Buch „Team-Mind und Teamleistung“ zusammen mit einem Interview mit Klaus Wittkuhn, Geschäftsführer einer Trainingsfirma und Gründer eines internationalen Verbands für Performance Management: https://www.springer.com/de/book/9783662606261. In einem Interview erklärt Jos de Blok, Gründer der internationalen Pflegeorganisation „Buurtzorg“, wie eine erfolgreiche Organisation nur aus selbstorganisierten Teams aufgebaut werden kann, und wir erklären, warum es ein Irrtum ist, erfolgreiche Teams aus scheinbar zueinander passenden Persönlichkeiten aufbauen zu wollen: https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-662-60627-8_17.

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