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Team und Raum: Neue Arbeit braucht neuen Arbeitsraum

Sibyll Rodde, Joachim Hasebrook & Benedikt Hackl

Weg vom Einzelbüro - hin zu Vielfalt und Auswahl

Veränderungen im Management in Richtung auf deutlich mehr Agilität stellen nicht nur herkömmliche Organisationsstrukturen auf den Prüfstand. Reorganisationen im Sinne von Hierarchieabbau, veränderten Führungsrollen und strategischer Mitarbeiterbeteiligung in Teams, auch „New Work“ genannt, drängen auch auf räumliche und bauliche Veränderungen.

Große Firmen, wie SAP, LinkedIn, Cisco oder Airbnb, haben Einzelbüros schon lange abgeschafft und verabschieden sich nun auch von Großraum- und Kombilösungen. Stattdessen bestimmen vielfältige Angebote auf verschiedenen Ebenen mit offenen Flächen, Kleinstarbeitsplätzen (Cubicles), (Tele-)Konferenz- und Gruppenräumen in verschiedenen Größen und Bühnen für Präsentationen und Veranstaltungen das Bild.

New Work = Better Work?

Aber ist es wirklich so, dass räumliche Neuerungen die Anpassungsfähigkeit von Unternehmen verbessern? Wir haben uns mit diesen Facetten von New Work beschäftigt und festgestellt, dass räumliche Veränderungen einen eher indirekten Einfluss auf die Innovationsfähigkeit von Unternehmen haben. Raumkonzeption lässt sich in erster Linie als moderierende Variable begreifen, die dazu beiträgt, die Wirkung anderer Faktoren, wie Mitarbeiterbeteiligung, partizipative Führung oder neue Lernsteuerungen, zu verstärken. Nur wenn die Arbeitsplatzgestaltung, das „Workplace Design“, zu Arbeitsabläufen und aufgaben, also dem „Arbeitsdesign“, passt, ergeben sich Produktivitätsvorteile durch neue räumliche Konzepte. Vergleicht man unterschiedliche Arbeitsumgebungen miteinander, so scheint gutes Workplace Design über einen längeren Zeitraum die Produktivität um durchschnittlich 10 % steigern und unnötige Abwesenheit vom Arbeitsplatz (Absentismus) um 5 % verringern zu können. Dabei ist die Wirkung des Workplace Designs auf Mitarbeiterzufriedenheit und Teamleistung am größten, auf Einzelleistungen wirkt sie sich eher gering aus.

Das Gensler Research Institute, das sich mit dem Zusammenwirken von (Arbeits-) Bedürfnissen und Raumdesign beschäftigt, führt jährlich den "US Workplace Survey“ durch und grenzt vier arbeitsbezogene Aktivitätsbereiche ab, nämlich Konzentration, Zusammenarbeit, Lernen und Austausch bzw. Entspannung, die von passenden Raumkonzepten unterstützt werden sollten .
Fasst man die Ergebnisse verschiedener Studien zur Wirkung von Arbeitsplatzgestaltung zusammen, ergeben sich folgende Empfehlungen:

  • Mitarbeiterproduktivität und -zufriedenheit hängen vor allem von ergonomisch geeigneten Räumen mit Tageslicht und guter Belüftung ab, die eine Balance von Abstand, z. B. für ruhige Besprechungen, und Nähe, z. B. für Sichtkontakt, bieten sollten.
  • Konzentration und Kommunikation werden durch akustisch und visuell abgeschirmte „Privatsphären“ ermöglicht. Räume sollten für verschiedene Gruppengrößen konzipiert sein sowie horizontale und vertikale Bewegung und Durch-blicke erleichtern.
  • Agiles Arbeiten erfordert schnelle Anpassungen, insbesondere bei der Positionierung von Arbeitsplätzen und bei der IT-Ausstattung.
  • Schnelle Wartung, leichter Umbau und die Wirtschaftlichkeit der eingesetzten Systeme spielen eine große Rolle.
  • Auch die Umgebung darf nicht vernachlässigt werden: Anfahrts- und Zugangsmöglichkeiten, Parkplätze, ggf. Schließfächer für Wertsachen etc. können sich positiv auf die Mitarbeiterzufriedenheit auswirken.
  • Organisationelle Veränderungen können durch sichtbare Veränderungen der Arbeitsplatzgestaltung und des Arbeitsorts unterstützt werden. Die Arbeitsplatzgestaltung vermittelt nicht nur der Mitarbeiterschaft, sondern auch Bewerberinnen und Bewerbern ein Bild davon, wie sich das Unternehmen selbst sieht („behavioural branding“).
  • Und schließlich: Keine Planung sollte erfolgen, ohne zuvor die Meinung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu erfragen.

Außerdem sollte die Verbesserung der Arbeitsumgebung auch nach dem Bauen weitergeführt werden. Feedback kann und muss als Designwerkzeug genutzt werden. Dies kann durch Befragung und Beobachtung erfolgen sowie durch gezielte Messungen, wie z. B. das Erstellen von Bewegungs- und Tätigkeitsprofilen, unterstützt werden.

Viele Befunde sowie Empfehlungen zum Zusammenwirken von Arbeitsplatzgestaltung und Innovationsfähigkeit von Unternehmen finden sich in unserem Buch „Team-Mind und Teamleistung“ u.a. in einem Interview mit Herrn Dr. Bernhard Zünkeler, Künstler und Mitgründer des Forschungsinstituts artlab21 und art laboratory ESMoA in Los Angeles.


Bild: iStock

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