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Starke Führung, schwache Wirkung

Sibyll Rodde, Benedikt Hackl & Joachim Hasebrook

Die Diskussion darum, was gute Führung ausmacht, währt schon seit über 100 Jahren. Der vor allem in der US-amerikanischen Managementliteratur bestehende unreflektierte Vergleich des Verhaltens von Führungspersonen in vermeintlich erfolgreichen und mit denen in wenig erfolgreichen Teams haben zu einem „romantisierten“ Bild von „Führungspersönlichkeit“ geführt, das Attribute wie Entschlossenheit, visionäres und unabhängiges Denken, Überzeugungskraft, Selbstsicherheit und schnelle Anpassungsfähigkeit enthält. Dies sind alles Eigenschaften, die häufig in der Diskussion um die sogenannte „Charismatische Führung“ genannt werden und den Erfolg einer Führungskraft aufgrund ihrer persönlichen Eigenschaften erklären sollen.

Aber stimmt das überhaupt mit Ergebnissen empirischer Untersuchungen zu kompetentem Führungs-verhalten überein? Dies kann klar verneint werden. Umfangreiche Analysen mit Tausenden von internationalen Datensätzen zeigen: Ausschlaggebend für gute Führung sind interpersonelle Kompetenzen wie Vertrauenswürdigkeit, prosoziales Ver-halten und Unterstützung der Mitarbeitenden. Werteorientiert zu handeln sowie ehrlich und transparent zu kommunizieren wird als „authentische Führung“ bzw. „ethische Führung“ bezeichnet. Dieser Führungsstil trägt nachweislich zum Unternehmenserfolg bei.

Allerdings besteht kein direkter Zusammenhang zwischen ethischer Führung und Unternehmenserfolg, dies gilt insbesondere für Führung im Team. Ingela Jöns und ihre Forscherkollegen von der Universität Mannheim zeigen, dass Führung eine indirekte, vielfach vernetzte Wirkung hat. Führung wirkt nicht direkt auf einzelne Personen und deren Verhalten und auch nicht direkt auf Teamleistung und Organisationserfolg: Führung schafft einen Rahmen bzw. eine gemeinsame Kultur, die weitgehend bestimmt, wie kooperativ und vertrauensvoll Menschen in Teams arbeiten können. Diese Rahmenbedingungen bestimmen dann über Erfolg und Misserfolg der Teamarbeit.

Unsere eigene Forschung zeigt dies ebenfalls sehr deutlich: Ethische Führung verbessert das Teamklima, wirkt einer „Heroisierung“ von Führung entgegen und schafft damit die Voraussetzung dafür, dass sich Teams und Teammitglieder gegenseitig unterstützen und damit die Teamleistung steigern (ink zum englischsprachigen Artikel bei der Academy of Management). Ausführliche Informationen dazu in unserem Buch „Team-Mind und Teamleistung“ u.a. in einem anschaulichen Interview mit Frau Dr. Eva Müller-Dannecker, Aufsichtsrätin und Ressortleiterin Personal der Berliner Klinikgruppe Vivantes (Kapitel 7 "Nieten, Schlangen und Nadelstreifen: Wie Führung auf Teams wirkt").

(Bildquelle: Hasebrook/Hackl/Rodde: Team-Mind und Teamleistung, 2020, Abb. 7.3., S. 114)

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